Implantatplanung im DVT

Implantatplanung im DVT: Sicher planen mit dem Zwei-Blick-Prinzip

Das Prinzip der Implantatplanung im DVT

Die KI orientiert, der Zahnarzt plant. Die Software segmentiert Knochen, Zähne und Mandibularkanal und richtet die Schnitte am Kieferkamm aus. Position, Länge und Durchmesser des Implantats legt allein der Zahnarzt mit DVT-Fachkunde fest.

Geplant wird vom Zahnersatz her: Erst steht die Kronenposition, dann wird geprüft, ob der Knochen sie trägt. Der Ablauf hat fünf Stufen, zwei davon vor der Aufnahme.

  • KI orientiert. Segmentierung, Kanalverlauf, Kieferbogen und ausgerichtete Querschnitte entstehen automatisch.
  • Der Zahnarzt plant. Jede Konstruktion wird geprüft, bevor an ihr gemessen wird.
  • Gelesen wird das ganze Volumen, nicht nur die Implantatregion.

Vor der Aufnahme

Stufe 1: Indikation und prothetisches Ziel

Ein DVT ist gerechtfertigt, wenn Befund und 2D-Röntgen Knochenangebot und Nachbarstrukturen nicht sicher klären.

  • Frage in einem Satz: z. B. „Knochenangebot regio 36 für Implantat 4 × 10 mm, Abstand zum Mandibularkanal“.
  • Vorhandene Aufnahmen anfordern, auch aus anderen Praxen.
  • Prothetisches Ziel festlegen und eine Referenz vorbereiten: Röntgenschablone oder digitales Wax-up mit Intraoralscan.
  • Indikation und Fragestellung dokumentieren.

Abschlusscheck: Weiß ich, wo der Zahn stehen soll, und warum 2D nicht reicht?

Stufe 2: Volumen, Parameter und Lagerung

  • Volumen: Einzelimplantat mit Kieferabschnitt, mehrere Implantate mit einem Kiefer, zahnloser Kiefer oder beidseitiger Sinuslift mit ganzem Kiefer. Im Scout prüfen, ob Mandibularkanal mit Foramen mentale, Kieferhöhlenboden oder Canalis incisivus vollständig erfasst sind.
  • Auflösung: Mittlere Voxelgröße genügt. Feinere Auflösung erhöht die Dosis ohne Planungsgewinn.
  • Röntgenschablone: Sitz vor der Aufnahme kontrollieren.
  • Artefakte: Herausnehmbaren Zahnersatz entfernen, sofern er nicht als Schablone dient. Kopf stabil lagern.
  • Parameter und Dosiswerte dokumentieren.

Watterollen: Weichgewebe trennen für die Registrierung

Liegen Wange, Lippe und Zunge der Schleimhaut direkt an, verschmelzen sie im DVT zu einer Weichgewebsfläche. Die Kontur der Gingiva ist dann nicht abgrenzbar. Watterollen schaffen einen Luftspalt, der die Schleimhautoberfläche sichtbar macht.

  • Watterollen ins Vestibulum zwischen Wange bzw. Lippe und Alveolarfortsatz legen.
  • Zunge mit Watterollen lingual vom Kieferkamm abhalten, im Unterkiefer im Bereich des Mundbodens.
  • Zusätzlich eine Watterolle zwischen die Zahnreihen legen, damit Kronen von Ober- und Unterkiefer nicht überlagern.

Der Nutzen: Die im DVT sichtbare Schleimhautkontur lässt sich mit dem optischen Abdruck überlagern. Das ist besonders in zahnlosen Abschnitten wichtig, wo wenige Zähne als Referenz bleiben. Zugleich wird die Schleimhautdicke über dem Kamm messbar, etwa für die Planung von Emergenzprofil und Schablonenauflage.

Abschlusscheck: Liegen alle Risikostrukturen im Volumen, und ist das Weichgewebe durch Watterollen getrennt?

Nach der Aufnahme

Stufe 3: Erster Blick – Datensatz prüfen, Anatomie befunden

3a: Bildgüte und Registrierung

  • Zuordnung und Bildgüte: Name, Datum, Kieferseite, Verwacklung, Metallartefakte, angeschnittene Regionen.
  • Korrekturen: Bewegungskorrektur und Metallartefakt-Reduktion ein- und ausschalten und vergleichen.
  • Registrierung: Intraoralscan oder Wax-up an mehreren Zähnen und, dank Watterollen, an der Schleimhautkontur überlagern. Ein Versatz von wenigen Zehntelmillimetern setzt sich bis in die Bohrschablone fort.

3b: KI-Konstruktionen prüfen

  • Mandibularkanal: Folgt die Markierung dem Kanal bis zum Foramen mentale samt anteriorer Schleife? Die KI folgt dem knöchernen Kanal, nicht dem Nerv. Zusatzkanäle selbst suchen.
  • Kieferbogen und Querschnitte: Kurve mittig im Kamm, Schnitte senkrecht dazu. Sonst sind Höhe und Breite verfälscht.
  • Segmentierung: Wurzelreste, retinierte Zähne und vorhandene Implantate erkannt?

3c: Anatomie der Implantatregion

RegionWorauf achten
Unterkiefer-SeitenzahnbereichMandibularkanal, Foramen mentale, anteriore Schleife, linguale Unterschnitte der Fossa submandibularis
Unterkiefer-FrontzahnbereichForamina linguale und Gefäßkanäle, linguale Kortikalis, Kammbreite
Oberkiefer-SeitenzahnbereichKieferhöhlenboden, Septen, Schleimhaut, intraossärer Gefäßkanal in der lateralen Wand
Oberkiefer-FrontzahnbereichCanalis incisivus, bukkale Lamelle, Nasenboden, Wurzelneigung der Nachbarzähne
  • Knochen: Höhe, Breite, Kammform, Kortikalisdicke, Spongiosa. Grauwerte im DVT sind keine Hounsfield-Einheiten.
  • Nachbarzähne: Wurzelneigung, apikale Aufhellungen, Parodontalspalt.
  • Ganzes Volumen: Kieferhöhle, Nasenboden, Kiefergelenke und Randzonen durchsehen. Ein Zufallsbefund kann die Implantation verschieben.

Abschlusscheck: Stimmen Registrierung und KI-Konstruktionen, und habe ich die Risikostrukturen selbst bestätigt?

Stufe 4: Zweiter Blick – Implantat positionieren

4a: Position und Achse

  • Implantat in die Achse der geplanten Krone legen, sichtbar im Wax-up oder in der Röntgenschablone.
  • Schraubenkanal prüfen: okklusal bzw. palatinal oder lingual verschraubbar? Sonst Winkelkorrektur oder Zementierung einplanen.
  • Vertikale Position zu Knochenniveau, Schleimhautdicke und Emergenz festlegen.
  • Achse in allen drei Ebenen kontrollieren, nicht nur im Panorama.

4b: Abstände messen

Gemessen wird in ausgerichteten Ebenen zur selbst bestätigten Struktur. Die Werte sind gebräuchliche Orientierungswerte, keine starren Grenzen.

StrukturOrientierungswert
Mandibularkanal (Kanalwand)≥ 2 mm
Foramen mentale und anteriore Schleifegroßzügiger Abstand, Schleife einrechnen
Nachbarzahn≥ 1,5 mm
Nachbarimplantat≥ 3 mm
Bukkale und orale Knochenwand≥ 1,5–2 mm
KieferhöhlenbodenRestknochenhöhe entscheidet über internen oder externen Sinuslift
  • Bohrerüberlänge in den Sicherheitsabstand einrechnen.
  • Messgenauigkeit: Voxelgröße und Artefakte begrenzen sie. Bei Werten am Limit nicht auf Zehntelmillimeter vertrauen.
  • Linguale Unterschnitte: Perforation der lingualen Kortikalis vermeiden, sonst drohen Blutungen im Mundboden.

4c: Implantat, Augmentation, Übertragung

  • Länge und Durchmesser nach Knochenangebot und Belastung wählen. Reicht das Angebot nicht: Augmentation, Sinuslift, kürzeres Implantat oder andere Position abwägen.
  • Bei Sofortimplantation Alveole, bukkale Lamelle und apikales Knochenangebot beurteilen.
  • Übertragung per Bohrschablone, dynamischer Navigation oder frei. Bei Schablonen Abstützung, Hülsenposition und Mundöffnung prüfen.

Abschlusscheck: Steht das Implantat prothetisch richtig, und halte ich alle Abstände einschließlich Bohrerüberlänge ein?

Stufe 5: Bericht – Planung begründen, Befunde offenlegen

Der Bericht beantwortet die Planungsfrage und dokumentiert die Befundung des ganzen Volumens.

Gliederung

  1. Kopfdaten, Auftrag, Indikation und prothetisches Ziel.
  2. Bildgüte, Korrekturen, Registrierung.
  3. Planung: Implantattyp, Maße, gemessene Abstände, Augmentationsbedarf, Übertragungsweg.
  4. Weitere Befunde nach Dringlichkeit, mit Empfehlung.
  5. KI-Protokoll: Software, Version, genutzte Funktionen, manuell korrigierte Konstruktionen.

Im Aufklärungsgespräch helfen 3D-Ansichten mit Implantat und Nervkanal. Dabei klarstellen: Die Planung stammt vom Zahnarzt.

Abschlusscheck: Kann ein Kollege die Planung nachvollziehen, ohne den Datensatz selbst zu öffnen?

Rahmenbedingungen

Indikation, Befund und Planung verantwortet der Zahnarzt mit DVT-Fachkunde. Die Software unterstützt, sie plant nicht.

  • Zulassung: Nur CE-gekennzeichnete KI- und Planungsfunktionen einsetzen.
  • Schulung: Die EU-KI-Verordnung verlangt ausreichende KI-Kompetenz.
  • Daten: Bei Cloud-Planung und externer Schablonenfertigung einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung abschließen.
  • Leitlinie: Die S2k-Leitlinie verlangt die Auswertung des gesamten Volumens, auch bei Planungsaufnahmen.
  • Status: Die Zwei-Blick-Planung ist ein Lehrkonzept. Die Abstände sind Orientierungswerte.

Spickzettel

  • Indikation begründet, prothetisches Ziel und Referenz vorbereitet
  • Volumen im Scout gesetzt, Weichgewebe mit Watterollen getrennt
  • Bildgüte, Registrierung und KI-Konstruktionen geprüft
  • Implantat prothetisch positioniert, Abstände inklusive Bohrerüberlänge gemessen
  • Ganzes Volumen gelesen, Bericht mit KI-Protokoll erstellt

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